Die Wasserpumpe in der Schrebergartenkolonie am Kanal

In Magdeburg, in der Kleingartenanlage „Zum Alten Elbarm", verbrachte ich jeden Sommer meiner Kindheit. Und ich meine wirklich jeden einzelnen Tag, von morgens um acht bis abends, wenn die Straßenlaternen angingen und meine Oma mit einem Kochlöffel gegen den Eimer schlug – so wusste jeder, dass das Abendessen fertig war. Unsere Parzelle hatte die Nummer 47, direkt hinter dem Tor mit dem verbeulten Briefkasten, auf dem irgendein Witzbold mit Edding WERNER WAR HIER geschrieben hatte. Werner, das war der Sohn vom Vereinsvorsitzenden, und er war überall gewesen.

Die Sommer damals waren anders. Heißer, trockener, die Luft stand zwischen den Lauben wie Sirup. Es gab noch kein WLAN in den Gärten, keine Pools aus dem Baumarkt, keine Klimaanlagen. Dafür gab es die Wasserpumpe.

Sie stand auf dem Hauptweg, eine alte Handschwengelpumpe aus Gusseisen, grün gestrichen, mit einem kleinen Betonbecken darunter, in dem die Mückenlarven tanzten. Wenn du den Schwengel hochzogst und wieder runterdrücktest, kam erst braunes, rostiges Wasser, das nach Eisen roch, und dann irgendwann klares, eiskaltes Grundwasser, das dir die Finger taub machte. Aus einem Gartenschlauch, den mein Opa mit Panzerband an den Auslauf geklebt hatte, schoss dieser Strahl dann meterweit – die beste Wasserpistole der Welt.

Wir waren eine Bande. Fünf oder sechs Kinder, alle aus den umliegenden Parzellen, mit kurzgeschorenen Köpfen und Knien, die dauerhaft mit Pflastern beklebt waren. Wenn Heiko, der Älteste, den Schwengel bediente, mussten wir anderen durch das Wasser laufen, während er mit dem Daumen die Öffnung zuhielt, damit der Strahl härter wurde. Die Mädchen kreischten, die Jungs taten so, als wäre ihnen das Wasser völlig egal, obwohl jeder wusste, dass es so kalt war, dass einem das Herz kurz stehen blieb.

Meine Oma stand oft an der Hecke, die Arme vor der Brust verschränkt, und rief irgendwas von wegen „Euch jungen Leuten ist ja nicht zu helfen". Aber wenn sie sich umdrehte, um den Salat zu holen, sah ich von hinten, wie ihre Schultern zuckten, weil sie lachen musste.

Es gab damals keinen Cent übrig im Haushalt. Meine Eltern hatten sich getrennt, meine Mutter arbeitete im Schichtdienst in der Konservenfabrik am Rand der Stadt, meine Oma kriegte eine kleine Rente. Ferienlager oder Schwimmbad? Fehlanzeige. Der Eintritt ins Stadtbad kostete zwei Mark fünfzig, und das war einfach nicht drin. Also blieben wir hier, zwischen den Obstbäumen und den Tomatenbeeten, und machten aus einer Pumpe und einem Gartenschlauch einen ganzen Wasserpark.

Herr Köppen aus Parzelle 31 hasste diese Pumpe. Genauer gesagt hasste er uns an dieser Pumpe. Er war 78, Kriegskind, zwei Herzinfarkte hinter sich, und sein Gurkenbeet grenzte direkt an den Hauptweg. Jedes Jahr im Juni pflanzte er die Setzlinge mit einer Sorgfalt, als würde er eine Uhr zusammensetzen, jede Reihe mit der Schnur ausgerichtet, jeder Abstand mit dem Zollstock gemessen. Und jeden Sommer kam irgendwann der Tag, an dem der Schlauch vom Auslauf rutschte und eine Fontäne über sein Beet fegte. Er hatte uns deswegen schon dreimal beim Vereinsvorsitzenden angezeigt, einmal sogar einen Brief an meine Oma geschrieben, in Blockschrift, mit Ausrufezeichen hinter jedem zweiten Satz.

An jenem Nachmittag im Juli, als die Sonne so unbarmherzig auf die Dächer der Lauben brütete, dass die Teerpappe weich wurde und man sie mit dem Finger eindrücken konnte, hatte Heiko eine Idee, die uns allen sofort gefiel und die wir alle sofort für eine schlechte Idee hätten halten sollen. Wir legten eine Plastikplane auf den Rasen, direkt am Wegesrand, keine drei Meter von Köppens Gurken entfernt. Wer Anlauf nahm und sich auf die nasse Plane warf, rutschte wie ein Seehund bis kurz vors Beet. Das Kunststück war, rechtzeitig zu bremsen. Meine Freundin Svenja schaffte das beim ersten Versuch nicht ganz, ihre Badeanzugträger blieben an einer Rankstange hängen und rissen, und sie stand auf, zog die Fäden zu einem Knoten und stellte sich wieder hinten an, als wäre nichts gewesen.

Dann kam Heiko an die Reihe, der Schlauch in beiden Händen, und wollte zeigen, wie man den Strahl zu einem Vorhang schwingt, durch den man springen kann. Er schaffte es keine zehn Sekunden. Das Panzerband, weich von der Hitze, gab nach, und der Schlauch löste sich vom Auslauf wie eine Schlange, die sich befreit. Der Wasserstrahl schlug einmal quer über den Weg – und traf Herrn Köppen mitten ins Gesicht, genau in dem Moment, als er sich über seine erste reife Gurke beugte.

Er schrie nicht sofort. Er stand nur da, tropfend, die Gurke noch in der Hand, und sah uns an, einen nach dem anderen. Dann fing er an zu reden, leise zuerst, dann lauter, Dinge über Respektlosigkeit und über seine Nerven und über den Krieg, den wir nicht kannten und den er offenbar in diesem Moment noch einmal durchlebte. Wir standen alle stocksteif, das Wasser lief noch aus dem losen Schlauch und bildete eine Pfütze um unsere Füße. Heiko hatte den Schwengel losgelassen, aber niemand traute sich, den Schlauch aufzuheben.

Meine Oma kam über den Weg gerannt, so schnell ich sie nie zuvor hatte laufen sehen, die Kittelschürze noch umgebunden. Sie redete auf Herrn Köppen ein, entschuldigte sich, bot ihm ihr Handtuch an, das nach Kernseife roch. Er nahm es, wischte sich das Gesicht ab und sagte kein Wort mehr zu uns. Er drehte sich um und ging zu seiner Laube, die tropfende Gurke immer noch in der Faust.

Ich dachte, das wäre das Ende der Pumpe für uns. Am nächsten Morgen würde der Vereinsvorsitzende kommen, das Schloss anbringen, und der Sommer wäre vorbei, bevor er richtig angefangen hatte. Wir saßen auf der Bank vor unserer Laube und warteten auf das Donnerwetter.

Es kam keins. Stattdessen stand am nächsten Tag eine Rolle neues Panzerband am Gartentor, in eine Gefriertüte gewickelt, fest verknotet. Kein Zettel dabei, kein Wort. Ich habe Herrn Köppen danach nie wieder etwas zu der Sache sagen hören. Nur einmal, Wochen später, sah ich ihn am Hauptweg stehen, während wir wieder unter dem Schlauch herumtobten. Er blieb kurz stehen, die Gießkanne in der Hand, und sah zu, wie der Strahl in der Nachmittagssonne Regenbogen warf. Dann ging er weiter zu seinen Gurken, ohne ein Wort.

Heute arbeite ich im Baumarkt an der B71, in der Abteilung für Gartenbedarf. Erst neulich kam eine Frau an die Kasse, vielleicht Mitte dreißig, mit einem aufblasbaren Pool in Übergröße und einer Pumpe mit Bluetooth-Steuerung. Sie sagte, die Kinder langweilten sich im Sommer immer so. Ich habe ihr den Pool verkauft. Aber als ich ihr den Bon in die Hand gab, wollte ich ihr die ganze Geschichte erzählen. Von der Handschwengelpumpe, von Herrn Köppen und seiner Gurke, von Svenjas Badeanzugträgern.

Aber natürlich habe ich es nicht getan. Sie hätte mich nur angesehen wie einen aus dem letzten Jahrhundert.

Letzten Sonntag war ich in der alten Anlage. Unsere Parzelle ist verkauft, da steht jetzt ein silberner Geräteschuppen mit Solarmodul auf dem Dach. Aber die Pumpe ist noch da. Grün, mit abblätternder Farbe, und der Auslauf zeigt genau in meine Richtung. Ein Junge, vielleicht sieben, stand davor und pumpte, bis ihm der Schweiß über die Stirn lief. Neben ihm lag ein Stück Schlauch, ohne Panzerband, lose am Auslauf.

Ich ging zu ihm hin, legte die Hand auf den Schwengel und zog einmal, fest, so wie früher. Braunes Wasser kam zuerst, dann klares, eiskaltes, das über meine Finger schoss und sofort in den losen Schlauch lief. Der Strahl schoss seitwärts weg, traf mich selbst mitten in die Hosenbeine, und der Junge fing an zu lachen, so laut, dass zwei Gärten weiter ein Hund anschlug. Ich stand da, nass bis zu den Knien, und mir fiel Herrn Köppens Gurke wieder ein, wie sie tropfend in seiner Faust hing.

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